Hans Krankl wurde bei der Weltmeisterschaft 1978 zum Nationalhelden (©Getty Images)

uefa.com blickt zurück auf die schönsten Augenblicke, die spektakulärsten Partien und auf jene Männer, die in der Geschichte des österreichischen Fußballs eine große Rolle gespielt haben.

Das Wunderteam
Österreich erlebte seine Blütezeit in den 1930er Jahren, als Hugo Meisls Wunderteam fast nicht zu schlagen war. Unter anderem wurde Deutschland in Berlin mit 6:0 bezwungen, die Schweiz mit 8:1 und Ungarn mit 8:2. Insgesamt hat Österreich bis zur FIFA-Weltmeisterschaft 1934 von 28 Spielen lediglich zwei verloren. Bei diesem Turnier erreichte die Mannschaft schließlich das Halbfinale. Österreich war bisher siebenmal bei einer Weltmeisterschaft vertreten, doch bei einer UEFA-Europameisterschaft war das Team noch nie dabei - zum ersten Mal nun als Co-Gastgeber der UEFA EURO 2008™. Der Star des österreichischen Wunderteams war Stürmer Matthias Sindelar, der wegen seiner schmächtigen Gestalt den Spitznamen "Der Papierene" bekam. Sindelar erzielte zwischen 1926 und 1937 in 43 Länderspielen für Österreich insgesamt 27 Tore. Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich weigerte er sich, bei der Weltmeisterschaft 1938 für Deutschland aufzulaufen.

Das Wunder von Córdoba
"Tor, Tor, Tor, Tor, Tor, Tor, I wer' narrisch", rief der österreichische Kommentator Edi Finger senior bei der Weltmeisterschaft 1978, als Hans Krankl in der 88. Minute den Siegtreffer gegen den Erzrivalen Deutschland erzielte. Nach dem Schlusspfiff bekamen seine Landsleute eine Gänsehaut, als er jubelte: "Und jetzt ist auuus! Ende! Schluss! Vorbei! Aus! Nach 47 Jahren hat Österreich Deutschland geschlagen!" Als sich Österreich und die Bundesrepublik Deutschland bei der Weltmeisterschaft 1982 erneut gegenüber standen, hätte der Kontrast größer nicht sein können. Bei einem 1:0-Sieg der Deutschen hätten sich beide Teams für die zwei Runde qualifiziert, und nach dem Tor von Horst Hrubesch nach zehn Minuten stellten beide Mannschaften ihre Bemühungen ein. Sie spielten sich den Ball anschließend nur noch in Zeitlupe zu, deshalb ging diese Partie als "Der Nichtangriffspakt von Gijon" in die Geschichte ein.

Singende Stars
"Für mich gibt es nur entweder oder - also entweder voll oder ganz." Dies ist ein typisches Zitat von Österreichs Rekordtorschützen Toni Polster, der zwischen 1982 und 2000 insgesamt 95 Länderspiele bestritt und dabei 44 Treffer erzielte. Polster war sowohl auf als auch außerhalb des Platzes sehr populär, mit der Band "Die Fabulösen Thekenschlampen" versuchte er sich sogar als Sänger. Eine Gesangskarriere ist für ehemalige österreichische Fußballer nichts Besonderes, Hans Krankl schaffte es 1985 mit seinem Lied "Lonely Boy" bis auf den zweiten Platz der österreichischen Charts.

Wembley-Toni
Es gibt nur wenige Momente im Sport, die ein Land wirklich bewegen. Bei Österreich waren das die Goldmedaille des Skirennläufers Franz Klammer bei den Olympischen Spielen 1976, der schwere Unfall von Niki Lauda auf dem Nürburgring, das Siegtor von Krankl gegen die Bundesrepublik Deutschland und der Doppelpack von Toni Fritsch 1965 im Wembley-Stadion. Neun Monate später wurde England Weltmeister, doch an diesem Abend im Oktober spielten die Österreicher wahrlich weltmeisterlich. Fritsch steuerte zum 3:2-Sieg zwei Tore bei, und so war die Legende vom Wembley-Toni geboren. Einen Treffer erzielte er dabei in einer Art und Weise, die später das Markenzeichen seiner zweiten Karriere werden sollte. Als das American-Football-Team der Dallas Cowboys 1971 in Europa auf der Suche nach einem Kicker war, wurde Fritsch vom ehemaligen österreichischen Nationaltrainer Leopold Stastny vorgeschlagen. Mit seinem Treffer im Wembley-Stadion legte Fritsch den Grundstein für den Gewinn des Super Bowl.

Spiel für die Geschichtsbücher
Der 7:5-Sieg von Österreich gegen die Schweiz im Viertelfinale der Weltmeisterschaft 1954 ist in der Geschichte dieses Wettbewerbs bis heute das Spiel mit den meisten Toren. Bei heißen 35 Grad in Lausanne lag die Schweiz nach 20 Minuten schon mit 3:0 in Führung. Damals waren noch keine Auswechslungen erlaubt, deshalb musste Österreichs Torhüter Kurt Schmied bis zum Ende durchhalten, obwohl er bereits in der ersten Halbzeit einen Sonnenstich erlitten hatte. Trotzdem kämpften sich die Österreicher zurück, bis zur 35. Minute machten sie fünf Tore. Im Halbfinale mussten sie sich dem späteren Weltmeister Deutschland geschlagen geben, doch das Spiel um den dritten Platz konnten sie gegen Uruguay gewinnen. Damit war der größte Erfolg Österreichs bei einer Weltmeisterschaft perfekt.

Helden
Andres Herzog, das "Herzilein", ist mit 103 Einsätzen österreichischer Rekordnationalspieler. Die bekannteste Fußball-Persönlichkeit des Landes ist der große Ernst Happel. Happel bestritt 51 Länderspiele und war bei der Weltmeisterschaft 1954 der Star der österreichischen Auswahl. Später feierte er als Trainer beeindruckende Erfolge, er konnte zweimal den Pokal der europäischen Meistervereine gewinnen - 1970 mit Feyenoord und 1983 mit dem Hamburger SV. Außerdem führte Happel die niederländische Nationalmannschaft 1978 zur WM-Endrunde.